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Erfolgreiche Fachtagung "Chancenlos-trotz Chancengleicheit" mit Deklaration

Im forumKloster in Gleisdorf fand am 24. Juni die Tagung "Chancenlos - trotz Chancengleichheit" statt. Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassten sich mit der Frage "Wie sichern wir in Zukunft die Arbeitsintegration von Menschen mit Beeinträchtigung?".

In Expertinnen-Runden und fünf verschiedenen Arbeitskreisen wurden Problemfelder aufgezeigt und Lösungsansätze gesucht und diskutiert. Daraus entstanden ist eine Deklaration mit klaren Forderungen für eine funktionierende berufliche Integration.

Sie finden die Deklaration hier zum Download. Ihre Anregungen dazu senden Sie bitte innerhalb der nächsten zwei Wochen an Franz Wolfmayr, Geschäftsführer der Chance B: franz.wolfmayr@chanceb.at

Danach wird die endgültige Version hier auf der Website mit einer digitalen Signatur zu unterzeichnen sein.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Beeinträchtigung ist im letzten Jahr mehr als doppelt so stark gestiegen wie die Zahl der Arbeitslosen ohne Einschränkungen. Zudem betrifft Beeinträchtigung viele Menschen: Laut einer Studie der Statistik Austria ist jede zweite Person im Erwerbsalter zwischen 15 und 64 Jahren im Laufe des Lebens mindestens einmal ein halbes Jahr lang gesundheitlich beeinträchtigt. „Von Chancengleichheit sind wir weit entfernt!“ stellte Mag.a Eva Skergeth-Lopič als Veranstalterin an den Anfang der Tagung und wurde von Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger bestätigt: “Es werden keine Anstrengungen gegen die steigende Arbeitslosenrate von Menschen mit Beeinträchtigung unternommen! Dies sollte mehr Empörung hervorrufen.“

In der Tagung beschäftigten sich über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit diesem Thema und entwickelten - mit Hilfe der professionellen Moderation durch Oliver Zeisberger - neue Lösungsansätze. Daraus entstanden ist eine Deklaration mit klaren Forderungen für eine funktionierende berufliche Integration:

Inklusive Bildung und öffentliche Meinung
Bereits im Kindergartenalter wird der Grundstein für den späteren beruflichen Weg gelegt. Daher wird einmal mehr gefordert das Bildungssystem anzupassen und vor allem die Stärken zu fördern, anstatt auf die Schwächen zu fokussieren. Durch inklusive Bildung könne auch die öffentliche Meinung sensibilisiert werden. Es geht nicht darum, die Menschen anzupassen, sondern es ist wichtig, die Strukturen so zu verändern, dass jeder Mensch seine individuellen Stärken einsetzen kann.

Stabile Unterstützung
In den letzten Jahrzehnten wurden bereits gute Unterstützungsmaßnahmen zur Arbeitsintegration nach der Schule entwickelt. Diese Maßnahmen gilt es zu sichern und auszubauen. Nicht nur Betroffene benötigen Unterstützung, sondern auch die Unternehmen. „Wir brauchen professionelle Beratung und finanzielle Förderung, um Menschen mit Beeinträchtigung dauerhaft einstellen zu können“, bekräftige Dr.in Ingrid Kuster von der Wirtschaftskammer. Zum Thema Bereitstellung finanzieller Mittel waren sich gestern alle Beteiligten einig: Das Geld ist vorhanden – es geht um die richtige Verteilung.

Dauerhafte Finanzierung
Gottfried Walter, Leiter der AMS-Geschäftsstelle Gleisdorf, will Doppelgleisigkeiten abschaffen und Unterstützungsangebote stärker bündeln, sodass die Mittel effizienter eingesetzt werden. Außerdem wird gefordert das System zu vereinfachen und beispielsweise das Arbeitsmarktservice als zentrale Anlaufstelle zu installieren. Hans-Jürgen Groß, Präsident des ÖZIV Burgenland, wünscht sich, dass durch ein „transparentes, einfaches System“ Barrieren sowohl für Unternehmer als auch für Arbeitsuchende wegfallen.

Erweiterter Arbeitsmarkt und Rehabilitation
Für langzeitarbeitslose Menschen ohne Chance am ersten Arbeitsmarkt gibt es in Österreich viele sozialwirtschaftliche Unternehmen. Jedoch sind die Rahmenbedingungen unklar und die Förderungen nicht einheitlich. Hier ist die Politik gefordert, eine Strategie zu entwickeln. Denn gemeinnützige sozialwirtschaftliche Betriebe sind volkswirtschaftlich gesehen ein großer Nutzen. Ebenso unverzichtbar sind stärker individualisierte Maßnahmen zu beruflichen Rehabilitation, da die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen zunehmen.

Utopia zu Gast
Auflockerung in das komplizierte Thema der Tagung brachte Puppenspielerin Elfi Scharf in der Rolle einer Prinzessin aus dem Reich Utopia. Humorvoll und leicht wurden damit die Botschaften transportiert und von der kleinen Prinzessin auf unvergessliche Weise kommentiert. Die Besucherinnen und Besucher goutierten die Darbietungen mit viel Applaus und behielten das eine oder andere Bild von Utopia in lebhafter Erinnerung.

Großartiges Feedback
Großen Zuspruch und viel Lob für die professionell organisierte Fachtagung gab es zum Schluss für das gesamte Team der Chance B. „Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit schließen sich nicht aus“, erklärte Hofrat Mag. Bruno Zinkanell vom Sozialministeriumservice Steiermark in der Schlussrunde und wies auf die längst bewiesenen Erfolgszahlen von Unternehmen mit Diversity Management hin.

25 Jahre SÖB und Arbeitsberatung der Chance B
Am Ende der Veranstaltung wurde anlässlich des Jubiläums der sozialökonomischen Betriebe sowie der Arbeitsberatung mit einer köstlichen Torte und Sekt gefeiert.

Danke an Elisabeth Reicht für die exzellente Organisation der Fachtagung!

Statements von ExpertInnen, Betroffenen, UnternehmerInnen, ReferentInnen (sinngemäß wiedergegeben):

Menschen sollten die Chance erhalten, zu arbeiten, wenn sie wollen, so Astrid Ochensberger, Geschäftsführerin Gartenhotel Ochensberger - sie hat zwei Menschen mit Beeinträchtigung als MitarbeiterInnen.

Es ist für mich eine Ehre zu arbeiten!, Dominko Tadic-Stitic, Arbeitnehmer mit Beeinträchtigung bei Wollsdorf Leder

Es wäre gut entsprechende Weiterbildungsangebote für ArbeitnehmerInnen mit Beeinträchtigung anzubieten und diese auch zu finanzieren, betont Anna Pfleger, Leiterin Haus der Frauen, Erholungs- und Bildungszentrum in St. Johann bei Herberstein und weist auf die Notwendigkeit hin, Erfolge auch umfassend sichtbar zu machen. (Das Haus der Frauen beschäftigt eine Mitarbeiterin mit Beeinträchtigung.)

Langfristig ist das Unterstützungssystem der neuen Arbeitswelt anzupassen, plädierte Dr. Klaus Voget, Präsident des ÖZIV und der ÖAR, für ein System, das dem 21. Jahrhundert angepasst ist.

„Viele Rahmenbedingungen sind nicht geklärt und österreichweit sollten die gleichen Fördermittel vergeben werden“, so Wolfgang Sperl, Geschäftsführer wienwork-integrative Betriebe und AusbildungsgmbH zum Thema „Erweiterter Arbeitsmarkt“.

Wir müssen noch an den kulturellen Wertmustern arbeiten., so Mag.a Dr. in Angela Wegscheider, Sozialwissenschafterin an der Johannes Kepler Universität Linz.

Wir dürfen nicht aufgeben für die Chancengleichheit zu kämpfen!, Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger.

Arbeitsmarktbezogene Leistungen sollten abgestimmt und bei Bedarf ergänzt werden mit anderen Leistungen wie beispielsweise Wohnleistungen, Franz Wolfmayr, Präsident des europäischen Dachverbandes für Menschen mit Behinderung.

Herbert Pichler vom ÖGB Chancen Nutzen Büro: Menschen mit Behinderung haben oft sehr spezielle Fähigkeiten aufgrund ihrer Beeinträchtigung. Wir sollten offener sein für innovative Arbeitsfelder.

Höhere Abgaben sind für die Unternehmen nicht vorstellbar., Dr. in Ingrid Kuster, Wirtschaftskammer Steiermark.

Mi. 24. Jun. 2015